Von geborenen Textern, und anderen Internet-Profis.
Oder: Warum erfolgreiche Website-Texte alten Regeln folgen müssen.
In unserem Schulsystem lernt jeder lesen und irgendwann auch schreiben. Auch Internetdienstleister und Web-Programmierer sind deshalb der deutschen Sprache mächtig. Und wenn man einen Text formulieren kann, zum Beispiel eine E-mail an seine Freunde, ein Angebot an einen möglichen Auftraggeber, oder gar einen Artikel in einer Fachzeitschrift, dann ist man doch auch qualifiziert, den Text für einen Internetauftritt zu erstellen.
Wirklich? Schauen wir uns doch einmal an, was der Großteil der selbsternannten Internet-Texter, so alles zusammenschreibt. Bitte sehr: Die Headline-Hitliste der deutschen Internetauftritte:
1. „Willkommen bei der XXXL-Boring-Company“
2. „Ihr Partner für Bestzeit-Lösungen“
3. „Wir bieten Ihnen mehr als andere“
4. „Hier finden Sie alles was Sie brauchen“
5. „Wir sind für Sie da“
Wie kommen solche Platitüden zustande? Und – warum finden sich derlei Gemeinplätze millionenfach im Internet? Ich habe keine Erklärung dafür, aber eine Vermutung. Viele Internet-Dienstleister und deren Kunden sind wohl der Meinung, dass es ausreicht die Programmiertechniken zu beherrschen, denn: „der Text ist doch vom Kunden vorgegeben“. Oder: „lange Texte werden generell nicht gelesen“. Wenn also der Website-Text ohnehin unwichtig oder gar überflüssig ist, dann braucht man ja kein großes Hirnschmalz dafür herzugeben. Leider bleibt da eine Frage offen: Wie will man ohne nutzenorientierten Text ein Angebot verkaufen? Also, was ist das für eine Frage: Das Verkaufen erledigt sich doch von selbst, denn man hat ja eine Website voll in Flash programmiert. Es blitzt und glimmert nur so, eben eine supergeile Show für Webdesigner! Und der Kunde ist ohnehin voll mit Aufträgen, warum soll er auch noch mit seiner website verkaufen wollen?
Sie wollen das Unmögliche? Mit Ihrer Internet-Präsenz verkaufen? Dann suchen Sie sich zuerst einen Internet-Texter!
“Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt”, so ein griechisches Sprichwort. Auf unsere Situation übertragen, könnte man dieses Sprichwort so abwandeln: Vor Ihren Erfolg haben die Götter die absolut notwendige Auseinandersetzung mit einem zutiefst altmodisch denkenden Menschen gesetzt: Den professionellen und auch in anderen Medien bewanderten Internet-Texter! Ja, so ein Gespräch mit einem Werbetexter ist nervig; er fragt buchstäblich Löcher in den Bauch und fordert zudem noch plausible Beweise für folgende Fragen:
- Welchen USP hat das Produkt/ die Dienstleistung?
- Wie lässt sich dieser beweisen oder darstellen?
- Welche Vorteile bieten wir dem Kunden?
- Welche Serviceideen zeichnen uns aus?
- Welche Positionierung hat das Unternehmen/Produkt?
- Und so weiter, und so weiter . . .
Sie tun sich schwer damit, diese Fragen zu beantworten? Dann ersparen Sie sich zunächst das Gespräch mit einem Internet-Texter (Ausnahme: Der Internet-Texter ist zufällig auch Marketingberater) und machen sich daran ihre Hausaufgaben im Marketing zu erledigen. Ist das geschehen, dann ist das Gespräch mit einem Internet-Texter, ein reines Vergnügen!
Welches Handwerk muss ein Internet-Texter beherrschen?
Sie lesen richtig: Texten ist ein Handwerk und es ist mehr als schreiben. Es ist die Anwendung von bestimmten Techniken, die einen Leser zur Reaktion führen. Es ist der Einsatz von aktivierenden Impulsen, die letztendlich eine Handlung des Lesers auslösen und es ist das Wissen, wie man zielorientierte Gespräche führt. Denn die muss ein Internet-Texter vorausdenken.
Um Internet gerechte Texte erstellen zu können, ist es daher erforderlich, dass der Texter die Regeln des Direktmarketings gem. Prof. Vögele beherrscht. Sofern der Internet-Texter noch nie ein erfolgreiches Mailing getextet hat, sollte er erst einmal üben und nicht gleich aus der Hüfte lostexten. Und: Natürlich muss ein Internet-Texter in der Lage sein den Text suchmaschinengerecht zu gliedern und entsprechend flott zu formulieren.
Last but not least: Ein Website-Texter denkt zunächst in Bildern und versteht es sich auf den Stuhl des Kunden zu setzen. Das ist schon die ganze Kunst …
In diesem Sinne
Ihr Sebastian G. Renner
Am 3. Dezember 2007 um 18:45 Uhr
Hallo Herr Renner,
sie sprechen von der Vögele-Dialogmethode. Gibt es eigentlich auch Versuche mit der berühmten Augenkamera bei Websiten? Macht es eigentlich sind alte Regeln wie Fettschrift überhaupt im Web zu nutzen?
Am 4. Dezember 2007 um 15:03 Uhr
Hallo SEO-Master,
ja, Test mit der Augenkamera, die das Leseverhalten dokumentieren, gibts auch für websites. Die empirischen Erkenntnisse sind mittlerweile recht
stabil. Die meisten websites müssen demnach neu erstellt werden, auch solche, die wir vor einigen Jahren gebastelt haben!
Man wird manchmal “über Nacht schlauer”, wie der erste Bundekanzler der Bundesrepublik zu sagen pflegte . . .